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ANGELN MEERFORELLE. AUSDAUER!

Schnelle Räuber mit Ausdauer überlisten

Uwe Dittmann

Es ist ein  milder Abend im März. Einige Angler stehen vor der Steilküste wie eingerammte Pfähle im Wasser. Die rot eingefärbte Sonne spiegelt sich in den leicht gekräuselten Wellen der Ostsee. Ein idyllischer Anblick und ideale Bedingungen zum Spinnfischen auf kapitale Meerforellen oder gute Dorsche.

Küsten mit Steilufer und wechselnden Bodenverhältnissen (sogenanntem  Leopardengrund) gelten allgemein als ideales Jagdrevier für Meerforellen.  Weniger bekannt ist, daß sich Meerforellen auch sehr gut auf reinem Sandgrund fangen lassen. Aus gutem Grund: Im zeitigen Frühjahr sucht die Forelle warmes Wasser. Die immer kräftiger werdende Frühjahrssonne wärmt das seichte Wasser über der Sandbank schneller auf, als das tiefere Wasser am Sund, oder vor der Steilküste. Außerdem ist der Speisetisch der Forelle reich gedeckt. Es wimmelt nur so von Würmern, Garnelen, und Sandspierlingen ( Tobiasfische ). Gute Gründe, für die Forelle zwischen den Sandbänken zu jagen. Anreiz genug, für den Spinn - oder Fliegenfischer, es auch dort zu probieren, wo nicht mehrere Angler aus dem Wasser ragen.

 Die beste Jahreszeit zum Fang von Meerforellen ist das zeitige Frühjahr von Februar bis April. Nach dem die Forelle ihr Laichgeschäft im Fluß beendet hat, wandert sie zurück ins Meer. Völlig erschöpft und abgemagert, fängt sie wieder zu fressen an. Die Forelle frisst jetzt so viel, dass innerhalb weniger Wochen nichts mehr vom Laichstress zu sehen ist. In dieser Zeit ist sie sehr gierig, und nicht so wählerisch, wie in der warmen Jahreszeit. Besonders die Chancen auf eine kapitale Forelle ( 4 kg und mehr ) sind in dieser Zeit sehr hoch.

 In den Sommermonaten dagegen, lässt sich die Meerforelle nicht so leicht fangen. Sie hält sich zwar in Küstennähe auf, verlegt aber die Jagd mehr auf die Nachtstunden. Dabei frisst sie kaum noch Fische, sondern bevorzugt eher kleinere Häppchen, wie zum Beispiel Garnelen, Tangläufer, Würmer und Fluginsekten. Schlechte Zeiten für Spinnfischer! Jetzt  schlägt die Stunde der Fliegenfischer. Die Experten gehen nur noch nachts ans Wasser und fischen mit kleinen, dunklen Fliegen auf Meerforellen. Wer es in der warmen Jahreszeit  trotzdem mit der Spinnrute probieren möchte, sollte Stellen mit kühlem Wasser suchen, zum Beispiel an einem Sund mit viel Strömung, oder an Strandabschnitten mit tiefen Wasser oder Bacheinläufen.

Von Mitte August bis Mitte Oktober ist wiederum eine Erfolg versprechende Zeit für die Meerforellenfischerei. Nun stärken sich die letzten Fische für den anstrengenden Aufstieg in die Laichflüsse. Allerdings tragen  viele  schon das Laichkleid und färben sich bunt. Die jetzt bräunlichen Fische sind aber unbedingt vorsichtig zurückzusetzen, da sie geschont sind und für Nachwuchs sorgen sollen.

Von Mitte Oktober bis Ende Januar ist dann wieder eine nicht so günstige Zeit, weil die meisten Forellen dem Laichgeschäft nachgehen. Es gehen meist nur kleinere Fische an den Haken. Man sollte sich jedoch nicht davon abhalten lassen es trotzdem zu versuchen - es werden auch jetzt hin und wieder gute Fische gefangen. Hierbei handelt es sich um die so genannten „Überspringer“. Diese Fische steigen nicht zum laichen in den Fluss auf, sondern verbleiben im Meer.

Witterung, Wasser- und Lufttemperatur entscheiden sehr häufig über Erfolg und Misserfolg beim Angeln auf Meerforellen, da sie besonders empfindlich auf Wetterumschwünge reagieren. Bei fallenden Temperaturen, klaren kaltem Wetter oder Windstille sind die Meerforellen wie gelähmt, und beißen sehr schlecht. Bei wechselnder Bewölkung, steigenden Temperaturen, mildem Wetter und leichten auflandigen Winden bis Stärke 4, herrschen für den Angler günstige Bedingungen. Das mag die Forelle, und Fänge von mehreren Fischen in kurzer Zeit sind nicht ungewöhnlich. Trotzdem lässt sich eine generelle Regel nicht aufstellen, denn ich bin auch bei vermeintlich guten Bedingungen schon als Schneider nach Hause gefahren. Der Grad zwischen ideal und geht nicht, ist oft sehr schmal. Nicht selten machte mir der Wind einen Strich durch die Rechnung. Ab Windstärke 5 nimmt die Dünung stark zu, und ein kontrolliertes Fischen ist kaum noch möglich. Außerdem trübt das Wasser stark ein und treibendes Kraut stört erheblich die Bewegung des Blinkers. Wer schon oft auf Meerforellen gefischt hat, der weiß, wie mühsam das sein kann, und mitunter vergehen viele Stunden oder Tage, bis zum heißersehnten Biss. Eine einfache Regel lautet: Wer viel angelt, fängt viele Fische.

Zur Nahrung der Meerforellen gehören: Garnelen, Watt– und Seeringelwürmer, Tangläufer und Fluginsekten, sowie kleine Fische, hauptsächlich Sandspierlinge und Heringe, aber auch kleine Dorsche und Plattfische. Im Frühjahr ( Mitte März bis April ) laichen die Seeringelwürmer. Sie kommen unter den Steinen im Uferbereich hervor und schwimmen zu Tausenden im freien Wasser. Leichte Beute für Räuber, wie Forellen und Dorsche. An diesen Tagen ist es oft schwierig, eine Forelle mit dem Blinker zu überlisten. Jetzt empfiehlt es sich mit Sbirolino und Fliege zu fischen. Wer es beherrscht, kann selbstverständlich auch mit der Fliegenrute sein Glück versuchen. Als Fliegen verwendet man mittelgroße, meist dunkle Streamer, Muddler, Wurm - oder Garnelenimitationen. Als Geheimtipp für den Spinnfischer an solch schwierigen Tagen gilt ein schwarz-roter Blinker.

Wer schon einmal ein Fachgeschäft an der Küste besucht hat, der weiß, welch großes, manchmal fast unüberschaubares Angebot, an Blinkern und Wobblern vom Händler bereitgehalten wird. Es gibt alle nur erdenklichen Größen, Formen und Farbkombinationen. Als Laie ist man da hoffnungslos überfordert, und sollte auf den Rat des Fachhändlers vertrauen.

Die meisten Angler fischen mit leichten Spinnruten von 10 gr. bis 40 gr. Wurfgewicht, bei einer Länge von 2,70 m bis 3,30 m, und verwenden oft Blinker oder Wobbler von nur 10 gr. bis 20 gr. Diese relativ leichten Köder lassen sich sehr langsam führen, doch nach meiner Erfahrung nimmt die Forelle lieber einen schnell geführten Köder, außer an sehr kalten Tagen. Deshalb fische ich grundsätzlich nur mit schweren, schlanken Blinkern von 25 gr. bis max. 40 gr. Diese lassen sich sehr weit werfen und müssen automatisch schnell geführt werden, da man sonst laufend Hänger bekommen würde. Dementsprechend benutze ich eine Rute von 3 m mit einem Wurfgewicht von ca. 60 Gramm und eine zuverlässige Stationärrolle mit Weitwurfspule, gefüllt mit 0,25 mm - 0,28 mm starker Monofilschnur.

Ich persönlich kann mich mit Wobblern als Köder nicht an freunden, will aber nicht generell sagen, dass man hiermit keine Forellen fangen kann. Jeder Küstenangler hat seine Lieblingsköder auf die er schwört und vertraut. Man sollte sich allerdings von dem Überangebot an Spinnködern nicht verwirren lassen. Ich  beschränke mich auf einige Standardfarben wie z. B. grün- weiß, grün- gelb, silber- grün oder silber- blau. Für helle Tage habe ich einige dunkle oder kupferfarbene Modelle und für kalte Tage rot - gelbe Blinker.

Als beste Tageszeit zum Fang von Meerforellen, gilt allgemein die „blaue Stunde“, also die Abenddämmerung. Jetzt beißen neben Meerforellen oft auch dicke Dorsche, die an der Spinnrute einen spannenden Drill liefern.  Ich allerdings habe meine bisher  besten Forellenfänge in den Mittags- oder Nachmittagsstunden gemacht - die wärmende Mittagssonne steigert oft den Appetit der schnellen Räuber, besonders in der kalten Jahreszeit. Der Sonnenaufgang verspricht vor allem bei mildem Wetter, gute Chancen auf dicke Forellen.

Wie verhalte ich mich am Wasser? Nachdem ich mir Wathose - und Jacke übergezogen habe, steige ich keinesfalls sofort ins Wasser. Ich fische grundsätzlich zuerst den direkten Uferbereich ab, denn nicht selten lauern dort stattliche Forellen. Diese Fische würde man durch das Waten garantiert verscheuchen. Dem Meerforellenfischer bieten sich nun zwei Möglichkeiten: Zunächst einmal das ausdauernde beangeln einer besonders aussichtsreichen Stelle, Landspitzen die ins Meer hineinragen, Muschelbänke oder auffällige Veränderungen der Bodenbeschaffenheit, wenn z.B. Sandgrund in steinigen Grund übergeht. Alternativ dann das aktive Wanderfischen, wobei der Angler meist durchs Wasser watend, größere Strandabschnitte abangelt.  Letztgenannte Methode empfiehlt sich besonders an unbekannten Stränden.

Egal, für welche Vorgehensweise sie sich entscheiden: Ausdauer ist der halbe Fangerfolg! Nicht umsonst gilt die Meerforelle bei Küstenfischern als Fisch der tausend Würfe.

 

Quelle: http://www.daiwa-cormoran.de

Bild: www.angelwoche.de

 
 

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